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15. September 2012 6 15 /09 /September /2012 04:52

 

Jetzt möchte ich endlich von meiner Entlassung berichten. 52 Jahre habe ich abgesessen. Ohne Gnade.

 

Die 3 Jahre Kindergarten rechne ich nicht mit. Seltsam, ich erinnere mich noch heute an Opas Worte vor meinem ersten Kindergartentag: „Xammi, jetzt beginnt der Ernst des Lebens“. Dies war spielen, singen, lachen, aber auch viele Quereleien, wie sie unter Kindern üblich sind.

 

Wir wohnten in einem Kaff in den Pampas, sozusagen. Es gab nicht so viele Kinder in meinem Alter, darum wurden zwei Jahrgänge zusammen eingeschult. Bevor ich in die Schule kam, hatte ich deshalb ein Jahr Gnadenfrist. Vor meinem ersten Schultag war ich gerade Sieben geworden. Opas Worte begleiteten mich von Anfang an: „Xammi, jetzt beginnt der Ernst des Lebens“.

Es war April 1960. Das waren Zeiten! -Wir kannten kein Handy, hatten kein Telefon, keinen Fernseher, kein Auto – nicht einmal eine Waschmaschine!



Opas weise Worte: „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ begleiteten mich immer.

 

Ich kam in eine Zwergschule. Das hieß so, nicht weil ich so klein war, sondern weil die Klasse so klein war. Wir paar Kinder hatten zusammen mit 3 Schuljahren Unterricht. Ich bewundere immer noch die Leistung unserer Lehrerin. Drei Klassen mussten beschäftigt werden und ruhig sein, eine wurde mündlich unterrichtet. Die Kleinen lernten lesen und schreiben, indem sie erst einmal etwas malen durften. Ich liebe Malen heute noch und machte mich immer mit Feuereifer an die Aufgaben.

 

Interessant fand ich aber den Unterricht der Älteren und sammelte Rüffel ein, weil ich da verbotener Weise zuhörte. Endgültig fiel ich bei der Lehrerin beim Buchstaben „O“ in Ungnade. Wir Erstklässler hatten die Aufgabe bekommen, ein Ei zu malen. Ich malte gleich mehrere schöne, bunte Ostereier. Frau Schröder lobte alle Kinder, dann ging sie an die Tafel und erklärte: „So, jetzt male ich auch ein Ei“ - sie malte ein Oval - „...und mache die Spitze ein wenig runder. So wird aus dem Ei etwas Anderes, ich bekomme ein O. Lest jetzt laut, was an der Tafel steht.“

Alle Kinder sagten „Oooo“, ich sagte „Ei“.

 

Xammi, das ist ein O.“ Alle wiederholten „Oooo.“ Ich: „Ei“. - Ja, an dem Tag war ich ganz besonders begriffsstutzig. Ich konnte mich nicht vom „Ei“ trennen. Der Schultag endete für mich mit „Ei“ und Tränen. Erst daheim gelang es Mama, den richtigen Tatbestand des "O" in meinen Kopf rein zu kriegen.

 

Ich hatte Glück, im 2. Schuljahr zogen wir um, und ich kam in eine ganz normale, überfüllte Schulklasse. Bevor ich in eine höhere Schule wechselte, gab Opa mir die weisen Worte mit:„Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“.

sommer (38)

 

Nun will ich ja nicht meinen Lebenslauf beschreiben. Kurzum, nach 10 Schuljahren bekam ich eine Lehrstelle, wie das damals hieß, einen Ausbildungsplatz. Opa sagte dazu: „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens.“ Spätestens ab dann hatte er Recht und brauchte das nie mehr zu wiederholen.

42 Jahre Arbeitsfron sind der Ernst des Lebens.


Die letzten Wochen vor meiner Entlassung waren noch sehr arbeitsreich. Es war aber auch schön, wie viele nette Kolleginnen und Kollegen sich von mir verabschiedeten.

 

Mit einer kleinen Träne im Auge, aber voller riesiger Freude, trat ich am 26 Juli den letzten „echten“ Urlaub meines Lebens an. Am 31. Juli 2012 bin ich offiziell in die Altersteilzeit-Ruhephase entlassen worden.

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Published by Xamantao - in von mir
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Kommentare

Katharina vom Tanneneck 09/24/2012 00:17

Danke Xammi, Dir auch einen guten Start in die neue Woche!
Liebe Grüße, Katharina

Xamantao 09/24/2012 05:10



Merci vielmals!



Katharina vom Tanneneck 09/17/2012 22:56

Na ja, ich habe damals in Lager Hammelburg gelebt, das war ähnlich wie ein kleines Dorf. Die Kaserne war eingezäunt und wir lebten außerhalb. Mehr Einwohner als hier in unserem Dorf gab es auch
nicht. Im Jahr 1959 zogen wir dann nach Hammelburg. Aber in der Schule waren die ersten 4 Klassen zusammen. Ich war auch immer neugierig, genau wie Du!
Liebe Grüße, Katharina

Xamantao 09/23/2012 19:54



Hallo Katharina,


so bist Du also zum Dorfleben wieder zurückgekehrt, nach einem Leben in der Stadt Heidelberg.


Herzlichen Gruß + guten Start in die nächste Woche!



Katharina vom Tanneneck 09/15/2012 23:07

Liebe Xammi, das klingt ja ganz ähnlich wie meine Geschichte aus der Kindheit und Jugend. Danke, dass Du mit Deiner Geschichte mich daran erinnert hast.
Liebe Grüße, Katharina

Xamantao 09/17/2012 09:48



Hast Du auch in einem Dörfchen gewohnt, liebe Katharina?



Joachim 09/15/2012 10:09

Hallo Xammi! Dein Schulerlebnis mit dem "Ei" und "O" zeigt doch, wie sehr Du in Deinem kleinen Dorf für das Konkrete, Gegenständliche einen Blick bekommen hast. Das hat Dir bestimmt geholfen, im
späteren Arbeitsleben immer wirklichkeitsnah zu sein. Dadurch hast Du sicherlich viel Freude an der Arbeit gehabt. Daran erinnert man sich am meisten,nicht wahr?
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
Joachim

Xamantao 09/17/2012 09:47



Lieber Joachim, so habe ich das noch nie gesehen, das das "O-Ei" mich geprägt hat. *lach* Immerhin erinnere ich mich genau an Erlebnis, also muss es wohl seine Bedeutung gehabt haben. 


Herzlichen Gruß!



Kiat Gorina 09/15/2012 09:40

Liebe Xammi,
genieße jetzt die Zeit, in der du deinen Hobbies frönen kannst, in der du machen kannst, was du für dich und andere für wichtig hältst!
Ja, als Kind habe ich noch andere Zeiten in Erinnerung: Das modernste Ding in der Sippe war ein uralter Gabel-Vorderlader - also nur mit einem einzigen Schuss, da musste frau sehr gut zielen und
treffen - mit einem sehr sehr heftigen Rückschlag. Ich durfte auch schießen und war recht gut. Später bei der sowjetischen Roten Armee fiel denen auf, dass ich meist treffe - also wurde ich zur
Scharfschützin an der Dragunov abkommandiert ...
Das war dann ein riesiger Schritt von archaiischen Zeiten in die "Zivilisation".
Ich kannte als Kind keine Schule, im Rückblick erkenne ich, dass ich ein ungeheures Privileg genoss: ich hatte "Privatlehrer" - Menschen, die nur mir etwas beibrachten. Mein erster "Lehrer" war ein
alter Mann - erst nach seinem Tod erfuhr ich, dass er ein Seher war. Und dafür von seinen "Auftraggebern" reich beschenkt wurde. Und den besten Unterricht bekam ich in einem buddhistischen Kloster
von sehr weisen Mönchen. Selbst die russischen Offiziere ließen sich von ihnen behandeln. Grund: Diese Mönche waren besser als alle russischen Ärzte zusammen. Und deshalb wurde dieses Kloster nicht
geschliffen ...
Viele Grüße, Kiat

Xamantao 09/17/2012 09:43



Liebe Kiat,


für mich ist es eine große Bereicherung und Freude, einen so aussergewöhnlichen Mensch wie Dich (ein bisschen) zu kennen.


Freundschaftliche Grüße, Xammi



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