Mein Kalender soll für alle Fälle gut sein, Ferien-Feiertage-andere Länder-wichtige Geburtstage und Ereignisse, interessante Web-Links - gute Sprüche - viele Fotos und Bilder, Geschichten über meine Katzen, meine Menschen, meine Sachen. Tolle Reisen. Aktuelles, Musik und Humor.
So., 26.10.2008
Henry
HELGA meint: nach dem MONDKALENDER ist der 27.10. günstig für Gartenarbeiten an Gehölzen und Bäumen.
Es ist also die richtige Zeit, Henry vorzustellen.
Henry war schon da, als wir hier eingezogen sind. Wer oder was er ist und woher er kam, habe ich in den 13 Jahren, die wir hier wohnen, nicht herausfinden können. Scheinbar hat er Verwandte in Südeuropa. Sein Name deutet darauf hin, dass ein Brite oder Amerikaner im Spiel war, ja ihn als ganz Kleinen hierher gebracht hat.
Henry ist mindestens 63 Jahre alt. Keine Ahnung, welche Lebenserwartung er hat. Jedenfalls ist er ein zähes Stück. Schon 2 Mal dachte ich: „Das überlebt er nicht“. Beim ersten Mal hatte ich versehentlich den starken Ast abgesägt, mit dem er sich am Balkongeländer festklammerte. Da ist er umgebogen und lag im Hof. Mit einer Kette hatten wir ihn wieder hochgezogen und festgemacht. Ein anderes Mal hatte ich ihn zu sehr gestutzt. Das ist ihm wider Erwarten gut bekommen. Im nächsten Frühjahr wurde er ganz prächtig grün.
Ihr habt es erkannt, Henry ist ein ... Ja, was eigentlich – ein Baum? Strauch? Rankgewächs?
Warum heisst Henry „Henry“. Ja, wie denn sonst! Das ist das Einzige, was wir bei ihm vorgefunden haben: ein Schild an seinem verschlungenen Stamm: „Henry 1945“.
Der Henry hatte in letzter Zeit auf unserem Balkon im ersten Stock sein Unwesen getrieben. Seine Ranken waren in die Blumenkästen vorgedrungen, hielten die Bougainville fest umschlungen und umarmten ganz unanständig die Rosemarie. Äh, ich meine den Rosmarin. Dem musste ich Einhalt gebieten!
Die ganze Bio-Mülltonne war vorgestern voll von abgeschnittenen Ranken. Gestern kam die Müllabfuhr, so dass ich danach die Tonne nochmal füllen konnte.
Also, gestern die große Leiter vom Nachbarn geliehen, rübergeschleift und ans Werk. Was eine Menge Spinnen da drin wohnen!
Plötzlich spürte ich stechenden Schmerz im Zeigefinger. Ein Insekt - oder hat Henry chemische Kampfstoffe entwickelt? Der Schmerz hielt nicht lange an. Ich vergaß das erstmal.
Am frühen Abend gingen mein Mann und ich in einem Restaurant. Unterwegs begegnete uns Gerd. Er wohnt im Erdgeschoss.
„Der Theo sieht ja wieder richtig gut aus“ sagte er.
„Wieso, war der Theo krank? Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen,“ fragte ich. Gerd: „Unseren Baum meine ich.“
Also, Henry heisst auch „Theo“.
Ich erwähne das nur, damit Ihr Bescheid wisst, falls mal jemand über Theo mit Euch spricht und Henry meint.
Beim Essen fing mein Finger an höllisch zu pochen und schwoll dick an. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Leute an unserem Tisch empfahlen mir, mangels Medikamenten den Insektenstich mit Alkohol zu behandeln. Ich tupfte Uso drauf, trank den Rest des Schnapsgläschens und einen saustarken, schweren griechischen Rotwein. Tatsächlich ging die Schwellung zurück! Daher meine Empfehlung gegen Insektenstiche: Uso drauf.
Von den Leuten erfuhren wir, dass dieses Wochenende Hoffest im Weingut Maier ist. Übrigens, die Winzerstochter ist amtierende Weinkönigin in unserem Ort. Nettes, hübsches Mädel. Als Kind hat sie oft vor unserem Haus mit ihrer Cousine gespielt. - Tja, da sieht man, wie man allmählich alt wird: aus Kindern werden Leute.
Wir sind dann zum Hoffest. Ich nahm eine Rotweinschorle. Da wird gut eingeschenkt. ¾ des Schoppenglases voll Rotwein, ¼ Wasser. Was soll ich sagen: der Schmerz verschwand endgültig! Henrys Gift konnte der Alkoholattacke von außen und von innen nicht mehr widerstehen. Meine Standfestigkeit war allerdings auch nicht mehr besonders. Außerdem war es zu kühl, um lange im Freien zu bleiben. So gingen wir heim, und ich, schön angeduddelt, lag schon um 21 Uhr im Bett.