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Mein Kalender soll für alle Fälle gut sein, Ferien-Feiertage-andere Länder-wichtige Geburtstage und Ereignisse, interessante Web-Links - gute Sprüche - viele Fotos und Bilder, Geschichten über meine Katzen, meine Menschen, meine Sachen. Tolle Reisen. Aktuelles, Musik und Humor.

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Erzählung: der gerettete Weihnachtskarpfen

Damals war ich vielleicht 14 Jahre alt. Damals war ich klein, zu dünn und unansehlich. Heute bin

klein, zu dick und nicht zu übersehen.

In Mama´s Familie war es Weihnachtstradition, an Heiligabend einen Karpfen zu essen. Ich
mochte keinen Karpfen, meine Geschwister auch nicht. Aber unsere Eltern, sie freuten sich
jedes Jahr lange auf den Fisch!

In diesem Jahr war alles anders. Papa hatte von einem Angler-Kollegen vor zwei Wochen einen
lebendigen Karpfen geschenkt bekommen. Der lebte nun in der Badewanne, damit er noch 
einen guten haben sollte. Das saubere Wasser sollte Sand und das Brackwasser aus dem Fluss
aus ihm heraus putzen. Erstmal war das lästig, denn jetzt konnte keiner von uns mehr baden,
sondern wir mussten uns am Waschbecken waschen. Der Karpfen schwamm in der Wanne und
wir ärgerten uns.

Mama meinte, er braucht regelmäßig frisches Wasser und hielt uns an, ab und zu kaltes
Wasser zulaufen und gleichzeitig Wasser ablaufen zu lassen. Wenn wir den Hahn aufdrehten,
freute sich das Fischlein dermaßen, dass es in den Wasserstrahl sprang. Wir mussten schützend
unsere Hände über ihn halten, damit er im Übermut nicht den Kopf am Wasserhahn anstieß
und sich selbst k.o. schlug. Meistens nahmen wir deswegen die Dusche, so dass der Karpfen
wohl meinte, es regnet. Dass der Fisch so munter war, machte uns natürlich viel Spass. Egal,
dass wir jedesmal pietschnass waren und das Badezimmer schwamm. Unser Bruder Georg
versuchte, ihn zu dressieren. Es gelangen einige Kunststückchen bei. So sprang der Karpfen 
auf das Kommando "hopp" über den Arm, und auf Fingerzeig sogar mit einer Umdrehung.

Wir fütterten ihn mit Brotresten. Nach kurzem war er so zutraulich, dass er sich gerne streicheln
ließ und sich dicht an unsere Hände schmiegte und schmuste. Wir alle schlossen ihn alle ins
Herz. Er bekam einen Namen, auf den er hörte. Fragt mich nicht, welchen. Ich sage einfach
mal: „Peter“.

Peter wurchs schnell und unsere Elten freuten sich schon auf die leckere Mahlzeit.
Weihnachten rückte näher. Wir Kinder waren uns einig: der Peter darf nicht geschlachtet
werden! Wir können doch nicht unseren Freund aufessen!

Alles Bitten und Betteln half nicht. Wir waren sauer, unsere sonst gar nicht sehr strengen
Eltern erkannten auch unser Argument nicht an, dass wir demokratisch 4 : 2 für den Karpfen
entschieden hatten. Selbst Klein-Regines Kullertränchen erweichten sie nicht. Wo Regine
doch sonst die Mama um den Finger wickeln konnte! Unsere Eltern blieben fest entschlossen,
denn schließlich sei Peter kein Haustier.

So mussten wir uns etwas einfallen lassen. Unser Viererrat beschloss, dass die Rettung am 
Heiligabend-Nachmittags statt finden sollte. Regine und ich lenkten ich die Mutti in der Küche
ab und halfen ihr beim kochen, putzen, wir sangen und lachten. Während dessen half
NaOnna dem Papa beim Christbaum schmücken. Georg sollte derweil den Peter in einen
Putzeimer tun. Wir hatten als ´Deckel´ Löcher in eine Plastiktüte gemacht, die Peter drüber
stülpen sollte. Bei der ersten besten Gelegenheit wollte NaOnna oder ich mit Georg heimlich
los ziehen, um den Karpfen in das nahe gelegene Flüsschen zu transportieren. Die wichtigste
Rolle hatte also Georg, unser 8-jähriger Bruder. Es war uns schon klar, dass Peter beim
nächstbesten Angler freudig anbeißen würde, so zahm wie der war. Aber wenigstens sollte 
er nicht bei uns getötet und gegessen werden!

An Heiligabend lief alles verkehrt. Es gelang weder NaOnna noch mir, unauffällig zu verschwin-
den! Georg wartete mit Peter im Putzeimer. Peter machte alle möglichen Versuche, aus
seinem engen Gefängnis aus zu brechen. Georg wollte nicht riskieren, dass dadurch doch
noch einer etwas mitkriegt, und zog schließlich alleine mit dem Eimer los. Der arme Georg
hatte schwer zu schleppen! 

Wir drei Mädchen warteten heimlich auf Georgs Rückkehr, während wir bei den Eltern ganz
harmlos taten. Zum Glück fragte niemand nach ihm.

Endlich kam Georg zurück. Er war ganz schön fertig von der Schlepperei und dem Abschied.
Die Karpfenrettung war geglückt!!!

Nachdem der Christbaum geschmückt war, ging Papa zur Badewanne, um den Peter zu
schlachten. Papa tat ganz schön verdutzt! Aber dann grinste er: „Ich bin froh. So habt Ihr es
tatsächlich geschafft, an Mutti vorbei zu kommen!  Es ist zwar schade, dass ich keinen Karpfen
bekomme. Aber eigentlich war mir der Appetit auf iPeter schon längst vergangen.“
Sprach´s, verschwand und kam mit 2 Dosen Frankfurter Würstchen zurück, die er in weiser
Voraussicht besorgt und zurück gestellt hatte.

Mama war erstmal sauer, lachte dann aber und nahm den Karpfen-Verlust gelassen hin.
So war unser Heiligabend gerettet und wir alle froh.
Es gab in den Jahren danach an Weihnachten keinen Karpfen mehr. Mama sagte, die
Würstchen machen viel weniger Arbeit. Also aßen wir ab dann in der neuen Tradition
am Heiligabend immer Würstchen mit Kartoffelsalat.

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