Jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten feiern die Einwohner der Mainmetropole "Ihren" Tag, den Tag des Waldes. Früher war es in vielen Firmen üblich, dass die Arbeiter und Angestellten am Nachmittag frei bekamen, um sich zum Wäldchestag im Stadtwald bei Äppelwoi und anderen Getränken und Speisen, Riesenrad und Jux und jeder Menge Life-Musik zu verlustieren (oder was Anderes zu machen).
Leider haben in den letzten Jahren die meisten Arbeitgeber diesen schönen Brauch aufgegeben.
Da ich schon lange in Frankfurt arbeite, bin ich viele Jahre in den Genuss gekommen. Oft gehen ganze Gruppen dorthin, wenn schönes Wetter ist.
Kein Mensch in ganz Deutschland hat an diesem Tag "geschenkt" frei, außer den in Frankfurt tätigen.
Das soll man erklären können! Jedenfalls wurde ich oftmals am Telefon gefragt.Die Nicht-Frankfurter wurden manchmal richtig penetrant in ihrem Neid. Sie wollten unbedingt wissen, was es mit dem Wäldchestag auf sich hat. Ich wusste es nicht. Chef gefragt, er wusste es nicht. Kolleginnen gefragt, sie wussten es nicht, Kollegen auch nicht. Aber Hauptsache: wir haben frei.
Da ich es nicht wusste, habe ich eine Erklärung erfunden. Damit bekam ich endlich Ruhe. Die war so gut, dass die anderen meine Erfindung übernahmen. Der Wäldchestag ist nämlich ein alt-germanischer Brauch, an dem der Wald und die Bäume geehrt werden! Mit der Zeit wurden meine Erklärungen immer ausgefeilter, dass gefeiert wird, weil der Wald gerade heutzutage so wichtig ist. Und als Flughafen-Ausbau-Gegnerin setzte ich drauf, wegen des Internationalen Flughafens Rhein-Main-Airport. Wenn man zeigt, wie sehr man den Wald vereehrt, können die ihn ja nicht einfach abholzen. (Nebenbei: und WIE die das können!!)
So weit, so gut. Ich habe schon selbst an meine Geschichte geglaubt.
Voriges Jahr - endlich - bekam ich die Aufklärung von zwei Frankfurterinnen. Zuerst haben die sich kaputt gelacht, dann erfuhr ich, was der Wäldchestag wirklich bedeutet:
Die reichen Bürger Frankfurts gaben früher ihrem Gesinde am Tag nach Pfingsten einen halben bezahlten freien Tag, zum Dank und Ausgleich für die viele gute Arbeit in der Zeit von Ostern bis Pfingsten. (Das war wohl so ne Art Überstunden-Abbau.)
Das Gesinde traf sich dann zum Picknick und diversen Vergnügungen im Sachsenhausener Wald. Es wurde Tradition. So trifft sich das "niedere Volk" und auch die "bessere Gesellschaft" immer noch gerne am Wäldchestag im Wald.
Dieses Jahr ist vom 30.5. bis 2.6. im Wäldche was los!