Mein Kalender soll für alle Fälle gut sein, Ferien-Feiertage-andere Länder-wichtige Geburtstage und Ereignisse, interessante Web-Links - gute Sprüche - viele Fotos und Bilder, Geschichten über meine Katzen, meine Menschen, meine Sachen. Tolle Reisen. Aktuelles, Musik und Humor.
"Wollen wir im Sommer mal wieder paddeln?", hatte meine Nichte Julia gefragt. Vor zwei Jahren hatten wir erste Erfahrungen auf der Lahn gesammelt. Nach Anfangsschwierigkeiten, mal vorwärts, mal rückwärts, mal rechts in die Büsche und dann wieder links ins Gestrüpp, hatte es ganz gut funktioniert. Wir hatten Spaß. Einmal kam uns eine Schwanenfamilie sehr nahe, zwei Erwachsene und zwei Junge. Da hatten wir ein bisschen Bammel. Wir wagten kaum, uns zu bewegen. Die vier schwammen ganz ruhig eine Zeit lang neben uns her. Es war klasse, diese schönen Tiere in ihrem Element zu erleben. (Foto: Runkel an der Lahn, damals unser Ziel)
Diesmal hatten wir uns für den Glan entschieden, der als "für Anfänger geeignet" beschrieben wird. Der Glan ist ein 90 km langer, schnell fließender Fluss durch Wiesen und Wälder in Rheinland-Pfalz. Am Samstag gingen wir auf unsere Kanu-Tour für Zwei von Medard nach Rehborn.
Die Wegbeschreibung von `Google-Maps´ war nach der ersten Baustelle völlig unbrauchbar. Durch idyllische Landschaften fuhren wir einen ganz anderen Weg übers Land, Richtung Bad Kreuznach/Bad Sobernheim. So lernten wir neue Seiten der schönen Pfalz kennen. Genau zur vereinbarten Zeit kamen wir am Bootsanlegeplatz auf einer Wiese an. Das Wetter war gut, schon sehr heiss. Der Glan ist hier relativ schmal und fließt mit hoher Geschwindigkeit. Das Flussufer ist mit hohen Pflanzen bewachsen, voller hell- und dunkelrosa Blüten. Schmetterlinge und Libellen schwirrten herum. Es standen eine Menge abenteuerlustige Paddler herum. Der Bootsvermieter hatte alle Hände voll zu tun, die vielen Kanus startklar zu machen. Schließlich kamen wir dran.
Die Einweisung lautete, dass wir nach einigen Kilometern zu einer Insel kommen, die unter Naturschutz steht und wo Betreten verboten ist. Die Insel kann man rechts oder links umfahren. Rechts ist es einfacher, aber das Wasser seicht und man muss wahrscheinlich manchmal aussteigen und das Boot ziehen. Links ist es schwieriger wegen einiger Stromschnellen. Es kommen ein paarmal Stellen mit Felsen, wo man aufpassen muss, dass man nicht kentert. Nach ca. 2 1/2 bis 3 Stunden erreicht man Meisenheim. Da ist ein Wehr. Deswegen kann man da nicht mit dem Boot fahren. Man muss die Kanus mit einer Winde auf eine 1,80 m hohe Mauer ziehen und dann ca. 300 m zur nächsten Einstiegstelle tragen. Das soll etwas umständlich sein. -- Mir verging prompt die Lust. -- Bis Meisenheim ist es nicht möglich auszusteigen, weil überall Steilufer sind. Aber dort kann man eine Pause machen und in den mittelalterlichen sehenswerten Ort gehen, vor dem Weiterpaddeln. Es sind dann noch ca. 1 - 1 1/2 Stunden bis Rehborn.
Eine Einführung in die Paddel-Technik gab es nicht. Daran ist aber nicht der Bootsverleiher schuld, sondern die Leute, die alle schon Erfahrung hatten oder meinten, das sei nicht nötig. Julia war die einzige, die sich eine Schwimmweste geben ließ. Ich nicht, aber seine Handy-Nummer ließ ich mir geben, in vager Vorahnung, was da kommen wird.
Im Kanu war ich die `Gallionsfigur´. Eigentlich sollte die "gewichtigere" Person hinten sitzen und lenken. Wer vorne sitzt, ist fürs Tempo zuständig. Julia bestand darauf, dass wir es diesmal umgekehrt machen, weil sie nicht wieder als Erste die Zweige ins Gesicht bekommen wollte, wenn wir blöd rumkreuzen.
Jetztging´s los. Nach ca. 100 Metern kamen die ersten Strudel. Und schon fuhren wir rückwärts. Bis wir das WIE raus hatten - oh jeh!Wie auf der Lahn damals schossen wir im Zickzack zwischen den Ufern herum, vorwärts und rückwärts fahrend. Ich hatte ein paarmal mit Ästen zu kämpfen oder musste uns mit dem Paddel von den Ufersteinen abzustoßen. Julia kämpfte, uns die richtige Richtung zu geben. Im Gegensatz zur Lahn gab es hier viel mehr kleine Schwälle, wo Ungeübte ins Trudeln kommen.
Der Glan windet sich durch eine märchenhaft schöne Landschaft. Es war wie im Urwald. Durch die Baumkronen fiel das Sonnenlicht aufs Wasser, das auf den Wellen glitzerte. Die felsig-steilen Ufer waren dicht bewachsen, wieder diese rosa-blühenden Blumen. Julia fühlte sich inspiriert, ein Märchen zu schreiben oder eine geheimnisvolle Fantasy-Story, wo der Fluss mit seinen vielen Windungen einen Drachen darstellt. Die vielen Spinnen gefielen ihr allerdings gar nicht, am liebsten wäre Julchen davon gelaufen. Kurze Strecken konnten wir ganz gemütlich paddeln und alles genießen. Aber immer wieder kamen Stellen, wo wir zwei unseren Kampf hatten.
Und dann hatten wir noch das Problem der nicht vorhandene Pinkelmöglichkeit. Ich sagte Julia, wenn es gar nicht anders geht, soll sie ins Boot machen. "Das stinkt doch nach Urin!" empörte sie sich. "Besser das Boot als Du", antwortete ich. Es ergab sich aber ganz einfach. Wir entschlossen uns, die schwierigere Strecke um die Naturschutzinsel zu nehmen, weil der Verlauf rechts sehr urwaldähnlich zugewachsen aussah. (Spinnengefahr!) Nach einer Kurve kam eine Sandbank, die wir ansteuerten und beide unsre Notdurft verrichteten. Uns konnte ja keiner sehen. Noch eine kleine Pause, etwas trinken und weiter ging´s.
Die angekündigten etwas schwierigen Stromschnellen meisterten wir locker und begannen vor Freude und Übermut zu singen. Bis uns ein Geräusch stutzig machte. Nach der nächsten Biegung sahen wir die Bescherung: Felsen im tosenden Wasser. Stromschnellen. Wie sollten wir da durchkommen? Mutig steuerten wir rechts von der Flussmitte eine Stelle zwischen zwei Felsen an. Erst dort konnte ich den Felsbrocken darunter sehen. Zu spät, wir mussten links daran vorbei. Schwierig! Eine von uns machte in der Hektik einen Fehler. So nahmen wir genau Kurs auf den Fels. Jetzt hieß es aber, ganz kräftig paddeln! Ich sah keine Chance mehr, das Kentern zu vermeiden und schickte ein Stoßgebet los, dass wir heil durch kommen. - Rrrrr rumps! Krrrr - rrrr. Nichts mehr.
Wir saßen fest. Zwischen zwei Unterwasser-Felsen war der Bug eingeklemmt. Langsam neigte sich das Kanu nach links. "Hi-Hilfe! Wir kentern!" Durch Gewichtsverlagerung gelang es uns, das Boot aufzurichten. Nochmal ´krrr-rrr` und das Boot rührte sich nicht mehr. Das Stoßgebet hatte genutzt. Gerettet! - Aber mitten im Fluss.
Erstmal blöd gucken, vorsichtig bewegen. Mit den Paddeln versuchen abzustoßen. Geht nicht. Wie tief ist es hier zwischen den Felsen eigentlich? Kein Boden mit den Paddeln zu ertasten, im dunklen Wasser oder der Gischt nichts zu erkennen. Was machen wir nun? Alle Anstrengungen, uns zu befreien, helfen nichts. Ich suche das Handy raus, rufe den Bootsverleiher an. Muss schreien, damit ich das tosende Wasser übertöne. Er versucht, zu kommen. Wir sollen trotzdem versuchen, uns frei zu paddeln. Witzbold!
Ein Boot mit drei Männern kommt. Die beachten uns gar nicht, sagen kein Wort, obwohl sie uns rammen! Wenn wir nicht schon da fest säßen, wären die jetzt dran. So konnten sie sich dank unseres Kanus auf die richtige Spur bringen. Ar...löcher!!
Wir überlegen. Es bleibt uns nichts übrig, das Kanu kann da nicht bleiben, so kann uns niemand retten. Vorsichtig stehe ich auf und steige auf den Fels neben mir. Die Fläche ist genau so groß, dass ich drauf stehen kann, rundum geht´s ab ins undurchsichtige Wasser. Zum Glück ist es nicht rutschig. So, nun ist der Bug etwas höher, weil mein Gewicht nicht mehr drückt. Ich versuche, das Kanu nach hinten zu stoßen, während Julia fest paddelt, um das Heck schräg herum zu bekommen. Mit einem Ruck gelingt mir es zurück zu schieben, aber dabei rutscht das Paddel aus meiner Hand. Und tschüss! Julia bringt die Kiste wie beabsichtigt schräg vor ein paar Steinbrocken, über die es nicht drüber kann, und zieht es Richtung Ufer. Schön, wenn ich bloß nicht alleine auf dem Felsen stehend zurück bleiben würde. Nach einem weiteren Manöver von Julia kann ich wieder ins Boot steigen. Nun sind wir im sicheren ruhigen Tümpel oberhalb des Tosens. Das Ufer ist auch näher. Aber wir wissen nicht, was da oben, hinter der steilen Böschung, ist. Vermutlich noch die Naturschutzinsel.
Jetzt kommt ein Pärchen in Einer-Kanadiern. Von weitem schon rufen sie, ob sie uns helfen können. Er gleitet ganz leicht zwischen zwei Steinen durch und hat´s geschafft. Unten am Rand ist das Wasser gleich viel ruhiger, das sind ca. 2,50 Meter Höhenunterschied. Sie ist etwas langsamer, noch oben. Plötzlich wendet sich ihr Kajak und sie hängt quer vor zwei Steinbrocken. Beim Versuch, gerade zu kommen, dreht sich ihr Kajak und sie hängt kopfüber in der Flut. Schreck! Keiner kann ihr helfen! Zum Glück schafft sie schnell eine Wendung, rutscht aus dem Boot und landet ihm Wasser. Mit ihr alle Gegenstände, die im Boot waren und ihr Paddel. Pustend und schnaufend kommt sie hoch, stemmt sich zwischen die Felsen und überlegt sofort weiter, wie uns zu helfen sei. Wir riefen, sie soll sich vor allem um sich selbst kümmern. Ihr Mann oder Freund paddelte schnell ihren Sachen hinterher und holte alles wieder ein. Mutig stürzte sie sich in den kleinen Wasserfall vor ihr und landete wohlbehalten unten. Da stand sie bis zur Brust im Wasser. Wir schickten das liebe Pärchen weiter, weil wir ohne das 2. Paddel sowieso nicht weiter wollten, also auch nicht unsere sichere Position verlassen mochten.
Als nach einiger Zeit drei Kanus auftauchten, hofften wir auf Profi-Hilfe. Aber es waren auch Kanu-Wanderer. Sie erzählten, dass sie weiter oben gerade beobachtet haben, wie zwei Frauen mit Boot rausgezogen worden sind. Oh weh, dachten wir, die meinen bestimmt, dass wir das sind... Also rief ich wieder den Bootsvermieter an. Er ist unterwegs, aber kann uns nicht finden. Wir sollen doch einfach die Böschung hochklettern. Vielleicht sehen wir dann die Straße und können da hin gehen.
Also gut. Wir packten unsere Sachen aus der wasserfesten Tonne in unsere Taschen. Die Getränke ließen wir zurück. Umständlich und vorsichtig kletterten wir dann über Wasser und Steine ans Ufer. Die Böschung war sehr steil, ca. 3,50 Meter hoch und mit dichtem Gestrüpp bewachsen. Mit dem einen Paddel, das wir abwechselnd nahmen, gelang der Aufstieg recht gut. Unterwegs tauchte allerdings ein neues Problem auf. Eine Herkulesstaude. Das ist so eine überdimensionale Riesenblume, die bei Berührung stark ätzt, was sogar tiefe Narben hinterlassen oder zu einem allergischen Schock führen kann. Ganz vorsichtig haben wir die weit abstehenden Blätter mit dem Paddel weg gedrückt und kamen gut vorbei. "Keine zehn Pferde bringen mich wieder da runter!" verkündete Julia trotzig. "Mich auch nicht!" fügte ich hinzu.
Oben überraschte uns eine Bilderbuchlandschaft. Wir kamen auf eine frisch gemähte Wiese, vor uns lag ein hübsches Dorf, oberhalb der Wiese ein Wald, durch den eine Straße führte. Da gingen wir hin. Sofort kam ein Fahrzeug mit Allradantrieb. Es war der Bootsverleiher, der die ungefähre Stelle erraten hatte.
Er fuhr mit uns da hin, wo wir rauf geklettert waren, band ein langes Abschleppseil an seine Anhängerkupplung und seilte sich zum Kanu ab. Wir schauten runter - und wieder hingen gerade drei Leute an "unserer" Stelle. Sie waren allerdings viel sportlicher als wir und hatten keine Angst, ins Wasser zu gehen. Auch sie brauchten viel Zeit, sich zu befreien. Dann kam noch ein Einer. Er kenterte. Mann und Boot kamen unten an, und er stieg wieder ein. Unser Bootsverleiher machte das Boot am Seil fest, zog sich daran wieder hoch und mit dem Auto holte er das Kanu hoch. Dann fuhr er uns zur Ausgangsstelle und unserem Auto zurück. Auf seinem Rücksitz mussten wir auf einmal beide laut lachen und konnten kaum wieder aufhören.
Jetzt hatten wir Hunger. Gleich gings in eine Gaststätte, wo wir uns reinigten. Leckere Gnocchis in Tomatensoße überbacken, so viel Salat wie wir wollten, Apfelsaftschorle und Kaffee brachten uns wieder auf "Vorderfrau". Das Wehr in Meisenheim wollten wir unbedingt sehen, um das die Boote herumgetragen werden müssen. Wir waren froh, dass uns das erspart geblieben ist! Bei der Einstiegsstelle für die Weiterfahrt kam strahlend ein Kanute mit meinem Paddel. Der nette Herr Neumann hatte nach meinem herrenlosen Paddel Ausschau gehalten. Es hing an einer Flussbiegung im Gestrüpp und er hat es mitgenommen. Ich dankte ihm und bat, es weiter mitzunehmen und am Ende abzugeben.
Wir gönnten uns noch ein Eis, waren genudelt vollgefuttert, und sahen uns das schnuckelige Städtchen Meisenheim an. Dorthin werde ich bestimmt noch mal kommen. (Allerdings bestimmt nicht auf dem Wasser.) Es ist richtig schön. Fachwerkhäuser, enge Gässchen, eine schöne Kirche, ein tolles altes Rathaus, der Fluss, das Wehr, wo eine Menge Enten und Gänse herumschwimmen. Ganz in der Nähe ist auch ein Kloster. Es heisst Disibodenberg. Klingt lustig, finde ich. Dort waren wir allerdings nicht, sondern traten die Heimreise mit dem Auto bald an.
Hier ist ein Foto von Meisenheim. Es war ein wunderschöner Ausflug gewesen.
Immerhin stammt der Weltmeister im Extrem-KajakThilo Schmitt aus genau dieser Gegend. Vielleicht hat er ja seine ersten Erfahrungen auf dem Glan gemacht (wahrscheinlich als 2-jähriger Bub, bevor er richtig laufen gelernt hat. )
Thilo Schmitt ist Weltmeister im Extrem-Kajakfahren. Der Regensburger macht Sport in Gewässern, die für andere Lebensgefahr bedeuten würden. Nicht umsonst trägt die WM der Extrem-Kajakfahrer den Namen "Sickline" - eine kranke Fahrlinie im Wildwasser.
Stand: 13.10.2008
Schmitt hat seine Karriere einst ganz klassisch begonnen. Beim Ruder- und Kanuverein Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz fuhr er Kanu-Slalom, und das mit Erfolg. Er reiste zu Weltcup-Rennen und nahm 2003 an der Weltmeisterschaft in Augsburg teil. Mehr:link Hier ein Foto vom Austragungsort der Extrem-WM 2008, die Ötztaler Ache:Sämtliche Fotos in diesem Artikel habe ich aus dem Internet
Hallöchen XAMMI!!!!!!<br />
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WOOWWWW!<br />
Voll cool der Erlebnisbericht!!!<br />
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Liest sich total spannend!!<br />
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Super! Ich sag' den beiden Bescheid, dass sie den Bericht auch lesen sollen! Aber wir lesen deine Seite immer regelmäßig ! :-)<br />
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Liebe Grüße<br />
Julia
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Hey Julia, hab Deine Email mal hier in meine Kommentar reinkopiert, weil ich sie so nett finde.<br />
Dein Märchen kommt ja auch noch, irgendwann...<br />
Oder?<br />
LG, Deine Tante <br />
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D
Doris
08/19/2009 22:18
Na das war dann aber ein erlebnisreicher Tag. An den Ausflug erinnerst Du Dich bestimmt noch lange. LG Doris
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WENN wir wieder mal paddeln, dann auf dem See im Frankfurter Palmengarten. Der ist klein, gemütlich und ganz ohne Wellen! <br />
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