| Wie Ihr aus meinem ersten „Zwischenbericht“ wisst, gab es bei mir zu Hause einen Unfall. Mein Mann ist am Abend des 6. September eine Treppe hinunter gestürzt, auf den Kopf gefallen und schwer verletzt. Das war am Abend des 6. September. Weil doch einige Freunde und Verwandte meinen Blog lesen und ich partout nicht zum Anrufen und Mailen komme (bitte entschuldigt!!!), und weil andere Blogger mir so lieb geschrieben haben, will ich hier nun berichten, was inzwischen los war. Ich habe dafür einfach die Mails zwischen meiner Freundin Olivia und mir kopiert (natürlich nicht alles, was wir uns so schreiben...). > > Olivia schrieb am Sonntag, den 20.9.09 > > Liebe Xammi, > > Roland hatte mir schon erzählt, dass Micha am Freitag nicht operiert > > worden ist. Zu blöd, Du hattest es aber auch schon befürchtet. Nun > > hoffe ich für Euch, dass das jetzt morgen - und vor allem gut - über > > die Bühne geht. Es hört sich alles ganz schön schlimm an, wenn der Kopf > > betroffen ist, macht man sich gleich nochmal so viele Gedanken. Es ist > > aber doch schon mal gut, dass er jetzt wieder ansprechbar ist. Wenn er > > morgen wieder eine Narkose bekommt, ist dies allerdings auch wieder > > eine Belastung für den Körper, also sei vorbereitet, dass er dann > > die ersten Tage wohl wieder verändert ist . > > > > Du kannst mich jederzeit anrufen, wenn Du reden willst. Ich drücke Euch > > ganz fest die Daumen. Das wird schon wieder, ganz bestimmt. > > Liebe Grüße, Olivia
> > Xamantao am Sonntag, den 27.9.09 > > Liebe Olivia, > > ... Es war hier viel Hektik und Aufregung. > > Michael sollte ja am Montag operiert werden. Da war in der Intensivstation > > kein Bett für nach der OP frei. > > Am Dienstag Nachmittag war es so weit. > > Nachdem Micha die fünfstündige OP überstanden hatte, war er am > > Mittwoch schon gut drauf. Erstaunlich ist auch, wie toll und ohne > > Narben heutzutage operiert wird. > > > > Am Donnerstag und Freitag ging es ihm ganz mies. Er sah aschfahl und > > 15 Jahre älter aus und erzählte jede Menge Unfug. Es war zum > > Verzweifeln, ich hatte große Angst, dass es nicht mehr besser wird und > > er einen Hirnschaden hat. Die eine Krankenschwester hat mich auch > > verrückt gemacht, wie auch die Frau vom Sozialdienst, die sich um die > > Reha kümmern sollte. Die wollte fast nicht mehr. Der Stationsarzt, den > > ich erst gestern Nachmittag sprechen konnte, beruhigte mich. Er sagte, > > man muss abwarten, aber ein solches Benehmen sei ganz normal. > > Das Blöde, außer ihm wusste wohl niemand, woran und weswegen Michael > > operiert worden ist. Und dann kommt so was zustande. > > > > Heute erlebte ich dann ein kleines Wunder. Micha redete ganz normal, er > > kann schon rumgehen und las gerade den "Spiegel" als ich kam. Mir fiel > > ein Stein vom Herzen. Er hatte es selbst gemerkt, dass etwas ganz > > schief gelaufen war und viel Angst ausgestanden. > > Nun können wir hoffen, dass er aus dem Gröbsten raus ist. > > Heute hatte er auch Freundes-Besuch, worüber er glücklich war. > > > > In der Zeit, wo Michael im Krankenhaus ist, habe ich mich zum Renovieren > > des Schlafzimmers entschlossen. Wenn er da ist, will er das doch wieder > > nicht. In dem Zimmer ist aber 15 Jahre nichts passiert (ich meine > > natürlich Schönheitsreparaturen). Mein Bruder hat mir heute morgen > > geholfen, das Zimmer auszuräumen. Die beiden aus dem Erdgeschoss > > wollen mir helfen. Und Pit, unser hilfreicher Rentner-Nachbar, ist auch > > wieder aufgetaucht. Der hat einen Sehnenriss, aber das ist so ausgefranzt > > dass es kaum zu operieren geht. Er lässt das auf Anraten seines Haus- > > arztes nicht machen und will nun auch renovieren helfen. Bin aber nicht > > von seiner Idee angetan, schließlich ist er verletzt. > > > > Ich bin täglich im Krankenhaus. Morgen muss ich wieder arbeiten, mein > > Urlaub ist rum. Ganz schön stressig ist das. > > > > Ich habe da einen Spruch gelesen: "Wenn Du bis zum Hals in der > > Scheisse steckst, sollst Du den Kopf nicht hängen lassen!" - In diesem > > Sinn grüße ich Dich herzlich Xammi
Olivia am Montag, den 28.9.09: > Liebe Xammi, > ich bin doch überrascht, dass Michael noch einmal so einen Rückfall hatte. > Als wir letzten Dienstagabend telefonierten, ging es ihm doch ganz gut. > Sicher kam das noch von der Narkose, oder? > Schlimm, das alles für Dich, zu denken, es wird nicht mehr besser. Ich > kann mir gut vorstellen, wie Du Dich gefühlt haben musst - aber > hoffentlich geht es jetzt schnell aufwärts. Ich drücke Euch ganz fest > die Daumen. > > Blöde nur, dass jetzt neben der ganzen Aufregung jetzt auch wieder die > Arbeit hinzu kommt. ... Schön, dass Du wenigstens so viele fleißige Helfer > für die Renovierung zuhause hast. > ... > Lass' bitte weiterhin von Dir hören. Und wenn ich irgend etwas für Dich > erledigen kann, dann sag' es ruhig. Alles Gute für Deinen ersten Arbeitstag > und liebe Grüße, Olivia
Xamantao gestern, am Dienstag, den 29.9.09: > Hallo Olivia, > danke für Deine liebe Mail. > Bei mir gibt es jeden Tag was Neues. Gestern bin ich munter zur Arbeit > gegangen. ... Gerade als ich bei meinem Chef war, so gegen halb Zehn, > klingelte mein Handy. "Schwester Beate von der Klinik. Ihr Mann > wird heute entlassen. Wann können Sie ihn abholen?" > Ich bin da rum wie ein aufgescheuchtes Huhn. Die Schwester Beate > stimmte zum Glück zu, dass sie Michael noch bis Nachmittags zwischen > 15 und 16 Uhr behalten können. > Mein Chef hat sofort gesagt, ich soll mir nochmal Urlaub nehmen, was ich > auch bis Donnerstag mache. Am Freitag habe ich einen Termin, den ich > nicht verschieben kann. So erledigte ich noch das Wichtigste, begab mich > Mittags von Frankfurt nach Hause und holte mein Auto. > > In der Klinik saß mein Michi schon mit gepacktem Köfferchen im > Wartebereich der Station. Die Ärzte gaben uns noch ihre Instruktionen > und dann konnten wir gehen. Die Station ist aber auch dermaßen überbe- > legt, dass sogar im Flur Betten mit Kranken stehen. schnell los werden > Kein Wunder also, dass sie einen schnell los werden wollten. > Wir beide hatten gemischte Gefühle wegen der Ruckzuck-Entlassung. Eine > neurologische Reha von ca. 3 Wochen ist beantragt. Nun müssen wir > abwarten und zusehen, wie es hier weiter geht. Eigentlich ist diese > Entlassung für mich nicht schlecht, denn ich brauche nicht - wie > geplant - nach der Arbeit heim und dann ins Krankenhaus fahren. > Michael freute sich total auf daheim und vor allem auf die Katzen. > Andererseits habe ich Bammel, dass alles gut geht. Er auch. > > Er ist fest entschlossen, keinen Alkohol mehr zu trinken. Um nicht > sein Leben zu riskieren, muss er das auch. Damit er das hinkriegt, > hatte ich mich für ihn schon im Krankenhaus nach Hilfsmöglichkeiten > erkundigt. Kurz entschlossen waren wir gemeinsam schon gestern > Abend bei einem wöchentlichen Treffen einer Selbsthilfegruppe von > von Suchtkranken und Angehörigen. Leute waren sehr nett und machte > guten Eindruck. Michael möchte regelmäßig dorthin zu gehen. Ich wünsche > mir, dass er es ohne Alkohol durchhält, möglichst sein Leben lang. Mit > Trinken könnte es sonst ein sehr kurzes Leben werden. Wir wissen nicht, > ob „Sucht“ bei ihm zutrifft. Zumindest hatte er keinerlei Entzugser- > scheinungen. Aber besser ist besser. Auch ich werde lange keinen > Alkohol mehr trinken. Mir fällt es aber nicht schwer, ich habe nie ein Problem > damit gehabt. > Was für Michael zuviel wäre und er nicht schafft, ist das Rauchen aufzu- > geben. Zumindest diese Woche ist aber noch "Nichtrauchen" angesagt, mit > Nikotinpflastern. > > Im Großen und Ganzen kommt er zurecht, aber sein Kurzzeitgedächtnis > lässt zu wünschen übrig. Das wird mit Sicherheit wieder besser, aber > wie weit kann niemand sagen. Heute waren wir bei unserem Hausarzt. > hatte einen Brief von der Klinik für ihn dabei. Der Arzt klärte uns über die > Unfallschäden auf. Das Schlimmste hatte ich noch gar nicht gehört. Er > hat eine Gehirnquetschung im Schläfenbereich, noch zu der Gehirnblutung > hinter dem Ohr und den Brüchen der Gesichtsknochen. > Also kein Wunder, wenn noch nicht alles richtig funktioniert. > Ein Wunder, dass es ihm so gut geht. > > Für mich ist dieses Auf und Ab alles ziemlich stressig. Momentan > geht´s ganz o.k. ... > Es freut mich, dass bei Dir wenigstens alles seinen geregelten Gang hat! > Ich wünsch Dir alles Liebe! Xammi Olivia gestern, am 29. 9.09: Hallo Xammi, ich sitze auch gerade am PC und will Dir gleich zurück mailen. Habe ich recht verstanden, dass Micha nun erstmal zuhause ist, bis eine Reha gefunden ist? Geht das denn zuhause? Kann er wieder laufen, auch die Treppen? Und was ist jetzt mit der Renovierung, Zimmer war doch schon ausgeräumt, oder? Auf jeden Fall hoffe ich, dass Micha seinem guten Vorsatz treu bleibt und keinen Alkohol mehr trinkt. Wenn er es ja selbst einsieht, ist das schon die halbe Miete. Alles Gute weiterhin für Euch und lass weiterhin von Dir hören. Vielleicht können wir uns ja auch mal sehen, wenn er in der Reha ist. Halte die Ohren steif. LG, Olivia Xamantao heute morgen, am 30.9.09: Guten Morgen Olivia, gestern habe ich nicht mehr in den PC geguckt und freue mich heute morgen über Deine prompte Antwort. Es geht mit meinem Mann ganz gut, vor allem kann er sich doch alleine einigermaßen zu Recht finden. Wir schlafen im 1. Stock, weil oben ja alles ausgeräumt ist. Die Treppen bewältigt er langsam und mit Bedacht. Vor allem die Treppe zu unserer Wohnung ist ja steil und somit schwer. Michael findet oft noch nicht die richtigen Worte. Aus dem Zusammenhang weiss man, was er meint, z.B. gestern beim Sparziergang. Er hat er sich an einem Brombeerdorn in den Finger gestochen. Das war bei ihm aber kein Dorn, sondern ein Knochen. Etwas mulmig ist mir bei dem Gedanken, wenn ich wieder arbeiten gehe. Gestern Abend haben wir Scrabble gespielt, was er nicht kannte. Das ist ein Spiel, wo man aus einem Säckchen 8 Buchstaben zieht und Wörter bildet. Es sieht aus wie ein Kreuzworträtsel. Die Schwierigkeit dabei ist, dass man immer mindestens einen Buchstaben verwenden muss, der bereits auf dem Brett liegt, und keine unsinnigen Wörter nehmen darf. Micha hat das Spiel sogar gewonnen. Mit der Schlafzimmerrenovierung wird Kerstin am Freitag beginnen. Da hat sie frei. Sie ist unsere „Blumenfee“, die den Hof wunderschön bepflanzt. Ich werde mal demnächst ein paar Fotos von ihrer hebstlichen Dekoration in meinen Blog einbauen. Ich kann ja auch tapezieren und streichen, aber wegen Zeitmangel halt doch nicht. Mit meiner Steuererklärung werde ich heute anfangen, wenn wir aus der Klinik zurück sind. Michael bekommt heute seine Stäbe aus der Nase entfernt (ich weiss nicht, wie das heisst), die sie in Form gehalten haben. Eigentlich wollten wir ja über Weihnachten nach Kuba fliegen. Das habe ich vorige Woche umgebucht auf Februar, über Fassenacht. Nachdem ich nun die Diagnose „Gehirnquetschung" kenne, denke ich das Ganze überhaupt abzublasen. Das Risiko, dass durch die Druckverhältnisse im Flugzeug was schief geht, scheint mir zu hoch. Vielleicht ist es besser, nächstes Jahr mal gar nicht zu fliegen. So, drücke uns bitte die Daumen, dass es weiter aufwärts geht. Liebe Grüße, Xammi *** und nun grüße ich Euch alle herzlich. Mit bloggen ist es bei mir weniger - aber meine Sprüche kommen nach wie vor täglich. |