Mein Kalender soll für alle Fälle gut sein, Ferien-Feiertage-andere Länder-wichtige Geburtstage und Ereignisse, interessante Web-Links - gute Sprüche - viele Fotos und Bilder, Geschichten über meine Katzen, meine Menschen, meine Sachen. Tolle Reisen. Aktuelles, Musik und Humor.
Hier sind wörtlich zwei Beiträge aus der Rhein-Main-Presse vom Samstag, den 18.9.2010.
Sie gefallen mir so gut, da will ich sie Euch auch zeigen.
Der erste:
Es gibt ja Leute, die haben Gott sei Dank den richtigen Namen
und die richtige Berufsbezeichnung, sodass man gleich weiss,
wo der Hammer hängt.
Die Popsängerin Lady Gaga zum Beispiel.
Wir haben vor Freude geweint, weil sie jetzt bei den
MTV-Music-Awards acht Preise gewann.
Was noch stärker wiegt: sie präsentierte sich für jede Trophäe
in einem neuen Kostüm. …
So, bis hierhin war´s noch harmlos, aber jetzt kommt´s.
Stutzig wurden wir schon an der Stelle, an der die Süd-
deutsche Zeitung schrieb, Lady Gaga habe bei den Music-
Awards eine „zweifelhaften Höhepunkt erreicht“. Da wussten
wir wirklich nicht, was gemeint war, mussten dann aber lesen,
dass sie „mit einem äusserst knappen Dress aus rohem Fleisch,
mit zu Plateauschuhen gebundenen Steaks und einer Art
Schnitzelhütchen auf dem Kopf“ erschien.
Es fiel uns dann ein, dass man früher rohes Fleisch auf ein blaues,
also beschädigtes Auge legte, sodass uns im Zusammenhang mit
dem Schnitzelhütchen auf dem Kopf
der Begriff Dachschaden in den Sinn kommt.
Lady Gaga quasi als Ganzkörper-Roulade,
da sehen wir den Begriff Gammelfleisch
gleich in ganz anderem Licht.
Das ist aus der Rubrik „Die Woche“ von Reinhard Breidenbach.
Zu Lady Gaga als Lyrikerin schreibt Michael Jacobs:
Jüngst wurde die amerikanische Breitenpop-Künstlerin Lady Gaga
für ihr Videoclip-Opus „Bad Romance“ mit acht MTV-Music
Awards überhäuft. Weil die Textilarmut der Performerin oft
von ihren Texten ablenkt, soll hier das preisgekrönte Singstück
einer kurzen interpretatorischen Würdigung unterzogen werden.
Die Dichterin leitet ihr Generalthema, die Gefangenschaft in einer
üblen Romanze, mit einem Urlaut-Stakkato ein:
„Oh oh-oh oh-ohh oh“, das sich rasch zu einer
expressiven Silbenverwirrnis stiegert „Ra ra-ah-ah-ah,
roma roma-ma, Gaga, ooh la la“ - wobei das sich anbahnende
Drama lautmalerisch sehr schön an die Tradition
des Kasperletheaters („Tri tra tru lala“) anlehnt.
In forciertem Befehlston werden dann allerdings einem
imagaginierten Du allerhand erstaunliche Dinge abverlangt.
So will die Sängerin nicht nur die Hässlichkeit des Partners
(„I want your ugly“), sondern auch seine Krankheit („Disease“),
damit es mit der Liebe so richtig hinhaue („Love, love, love“).
Dieses augenscheinlich sadomasochistisch abgelederte Paradoxon
ist, so will es uns erscheinen, aber erst der Urquell poetischer
Produktivität: „You and me could write a bad romance“.
Obwohl die gefährliche Liebestolle dabei in Kauf nimmt, dass
der Partner in die Kriminalität abgleitet
(„Cause you´re a criminal as lang as you´re mine“).
Überhaupt durchwirkt das Werk eine gewisse (Mord-)
Lüsternheit Hitchcockscher Provienienz - „Psycho“,
„Vertigo“, „Rear Window“ werden angerufen,
und da ist es auch kein Wunder, dass sich das lyrische Ich
als Dirne („I´m a bitch, baby“) enthüllt gibt und die
Schlussstrophen ins gepfefferte Französische („J´veux ton amour“)
abgleiten, bevor ein zusammenfassendes
„Ra ra-ah-ah-ah, roma roma-ma“ das Lied beschließt.
Goethes Werther hätte seiner Lotte gewiss nicht
solche Verse ans trübe Haupt geschmissen. Aber der trug bei
Dichter-Ehrungen auch kein rohes Steak auf dem Kopf.
Wer mag, kann hier reinklicken und sich das Liedchen
im Video anhören: Bad Romance – Lady Gaga