Mein Kalender soll für alle Fälle gut sein, Ferien-Feiertage-andere Länder-wichtige Geburtstage und Ereignisse, interessante Web-Links - gute Sprüche - viele Fotos und Bilder, Geschichten über meine Katzen, meine Menschen, meine Sachen. Tolle Reisen. Aktuelles, Musik und Humor.
Mein Wochenende war wiedermal eins der unvorhergesehenen Ereignisse.
Gestern morgen halb zehn.
Michael lag gemütlich in der Badewanne, ich war in der Küche am werkeln. Gerade kamen, wie verabredet, Pitti und seine Frau. Wir treffen uns gerne ab und zu Sonntags vormittags, die Neuigkeiten austauschen.
Da schellte das Telefon.
Unsere Nachbarin, eine liebe, alte Frau, klang ganz verzweifelt: „Gestern saßen wir draußen und haben gesehen, wie eine Taube vom Dach herunterstürzte. Es gab einen lauten Schlag, als sie aufs Autodach aufschlug. Sie hat sich unter das Auto meines Enkels verkrochen, lebt aber immer noch. Ich möchte so gerne dem Tier helfen und weiß nicht wie. Sven könnte das Auto ein Stück vorfahren. Wir haben es wir stehen lassen, um die Taube nicht zu beunruhigen. Haben Sie eine Idee, wie man helfen kann?“
Ich muss nun sagen, dass die Nachbarin nicht mehr sehr mobil ist. Ihre große Freude sind die Vögel, die an das Futterhäuschen in dem Gartenstück am Sackgassenende unserer Straße kommen, wo sie wohnt. Ihre Familie, Bekannte, Freundinnen und die anderen Nachbarn sitzen oft und gerne mit ihr in der gemütlichen Ecke.
Wir drei gingen hinunter. Micha bekam davon im Bad gar nichts mit.
Da saß eine kleine Türkentaube in einem Blumenkübel und wirkte ganz verstört. Sie rührte sich nicht von der Stelle, als wir ihr ziemlich nahe kamen. Die Nachbarin kam auch heraus. „Das ist eine andere Taube,“ sagte sie. „Die Verletzte ist immer noch unterm Auto.“
Wir beratschlagten, was der Grund sein könnte. Gleich zwei. Ob jemand Giftfutter gestreut hat? Oder ob das Virus, das unheimlich viele Amseln letztens getötet hat, nun auch die Tauben erwischt? Die Tauben anzufassen und einzufangen trauten wir uns nicht.
Mir fiel der Tierarzt ein, dessen Handynummer ich für Katzennotfälle habe. Ich erreichte ihn unterwegs. Er riet mir, die Tauben in eine Tierklinik zu bringen. Also, im Internet nach der nächsten Tierklinik gesucht, in Wiesbaden angerufen. Wir sollten die Tauben bringen, dann würden sie ihnen helfen und sie untersuchen. - Aber wie? - Die nette Dame riet, die Feuerwehr um Hilfe zu bitten.
Bei der Feuerwehr ging nichts, schellte das Telefon, schellte und schellte. Schließlich rief ich die Notrufzentrale an und entschuldigte mich, dass ich wegen Tieren anrief. Eigentlich ist das ja für Menschen in Nöten gedacht. Mein Gesprächspartner versprach, einen Einsatzwagen zu schicken, sobald wie möglich, wenn ein anderer Einsatz beendet ist.
Ich informierte die liebe Nachbarin, die sich nun etwas beruhigte. Wir hatten schon Angst gehabt, dass sie zum Notfall wird, weil sie so enorm aufgeregt war.
Etwa eine halbe Stunde später war die Feuerwehr da, mit Handschuhen und Bienenkästen. Das kleine Täubchen, was die ganze Zeit ruhig auf dem Kübel gesessen war, hatte sich kurz davor auf einen Sparziergang gemacht und lief den zwei Feuerwehrleuten entgegen. Sie wirkte jetzt ganz normal, aber flog nicht.
Was ich schon gleich gedacht hatte, aber im Herbst für unmöglich hielt, bestätigte jetzt der eine Feuerwehrmann: Es war ein Jungtier, das wohl gerade seine ersten Flugversuche hinter sich hatte. Als der eine Feuerwehrmann es fangen wollte, flog es in den Baum. Es war ein unsicherer Flug, aber gut angekommen. Ihm war also nichts Schlimmes passiert, im Gegensatz zu seinem Taubengeschwisterchen.
Sven fuhr vorsichtig das Auto drei Meter vor. Das verletzte Tier humpelte mit hängendem Flügel herum und war leicht zu fangen. Die Feuerwehr brachte es in die Tierklinik.
Nachmittags rief ich dort an.
Ende gut.
Der Flügel ist nicht gebrochen und das Täubchen inzwischen ganz munter, wurde mir gesagt. Es wird zur Beobachtung dabehalten und aufgepäppelt. So bald es geht, lässt man es fliegen.
Willst Du mal sehen, wie Türkentauben aussehen? Sie sind viel kleiner als die Stadttauben: Fotos Türkentauben.
Pitti, mein fleißiger Co-Autor, hat daheim gleich ein Gedicht darüber geschrieben, das er mir abends gemailt hat. Ich find´s schön. Hier ist es: