Mein Kalender soll für alle Fälle gut sein, Ferien-Feiertage-andere Länder-wichtige Geburtstage und Ereignisse, interessante Web-Links - gute Sprüche - viele Fotos und Bilder, Geschichten über meine Katzen, meine Menschen, meine Sachen. Tolle Reisen. Aktuelles, Musik und Humor.
Das war also Weihnachten. Uff. Alles gut gegangen.
Wenn ich so zurückdenke... Meine Mutter hat sich immer einen irren Stress gemacht an Heilig Abend. Da musste alles perfekt sein. Zum Schluss nochmal die Wohnung putzen, die Gans, der Karpfen, der Weihnachtsbaum, die Kinder, die alles falsch machen, in die Kirche, Geschenke, Plätzchen waren weggefressen und und und. Ein Horror. Wir alle, einschließlich Papa, haben gekuscht und unser Bestes gegeben - mitgeputzt, mitgekocht, waren brav, Lieder gesungen, Lieder nicht mehr gesungen... Unser Bestes konnte nie gut genug sein, Mama war am Ende völlig verausgabt, fertig, Tränen, Wutausbrüche, Schuldzuweisungen. Das alles haben wir an Heilig Abend erlebt. - Und wenn sich dann die Wogen geglättet haben, so am 1. Feiertag etwa, dann haben wir zusammen Spiele gespielt, dann wurde es schön.
Nun, Mama lebt lange schon nicht mehr und hatte sich ja auch irgendwann eines Besseren besonnen, mal Neun gerade sein zu lassen.
Warum ich an sie denke?
Weil ich diesmal an Heilig Abend meine Familie zum Rouladenessen eingeladen habe. Rouladen war eine ihrer Spezialitäten, mit böhmischen Knödeln und Sauerkraut. Die gab es aber niemals nie an Heilig Abend.
Meine Geschwister und Paps waren begeistert von der Einladung. 12 Uhr Mittags, den Zeitpunkt hatte mein Bruder Georg festgelegt, damit noch genug Zeit war, heimzufahren und die zwei Kleinen zu bescheren.
Zuerst traf Pitti ein - der ja gar nicht zur Familie gehört, aber Rouladen liebt. Seine Frau musste leider bis 14 Uhr arbeiten. Pitti hat sozusagen die Rolle "stellvertretender Hausherr" gespielt. Mein Herr Gemahl, der Weihnachtsflüchtige hat sich nach Mainz zum Italiener abgeseilt, mit der Begründung, dass er militanter Weihnachtsgegner und Vegetarier sei. Ausserdem wäre er ja eigentlich sowieso auf Lanzarote, wenn das Wetter den Flug nicht vereitelt hätte. - Nunja, Reisende soll man nicht aufhalten - und er kam ja um 14 Uhr wieder.
Als nächstes traf die jüngere Schwester Regine ein, dann kamen Georg mit Familie, Au-pair-Mädchen und Papa, zum Schluss meine Zwillingsschwester.
Das Essen ist bis auf den letzten Krümmel gegessen worden und hat gut geschmeckt. Georg, unser Gourmet, hat allerdings gleich gemerkt: "Die Rouladen sind aber anders als bei Mama. Die hatte mehr Gurken drin. Und mit dem Speck war auch irgendwas anders." Stimmt. Ich habe weniger Gurken genommen und sie kleiner geschnitten, statt Dörrfleisch oder Speck hatten die in der Metzgerei mir Schinkenspeck gegeben, da hat aber Geschmack vom Geräucherten gefehlt. Das musste ich zugeben.
"Und die Soße war bei Mama auch anders", sagte Georg. "Die ist aber viel besser als die von Mutti," trat mir Gini zur Seite. "Und den fetten Speck muss man auch nicht haben," bestätigte Naonna. Georg beschwichtigte, dass es ihm sehr gut schmeckt, Vater konnte gar nichts sagen, weil sein Mund ständig voll war. Er war glücklich. Für meine Schwägerin und das Au-pair-Mädchen, beide Ausländerinnen, waren das die ersten Rouladen ihres Lebens, und sie fragten nach dem Rezept.
Hier ist es, und weil wir so viele waren, ist es für 10 Personen (wenn´s gute Esser sind).
Man rechnet pro Person 1-2 Rouladen, Du kannst also die angegebene Menge entsprechend reduzieren.
Rinderrouladen traditionell:
18 Scheiben Rindsrouladen
dünne Scheiben Dörrfleisch oder geräucherten Speck
18 eingelegte Gurken,
Zwiebeln,
mittelscharfer Senf, Salz und Pfeffer
36 Rouladennadeln oder etwas, um die Dinger zusammen zu halten,
Butterschmalz oder Öl zum Anbraten.
- Für die Soße:
3 Bund Suppengemüse (frisch, nicht aus dem Tiefkühlfach!), das sind Möhren, Stücke von Sellerieknollen, Lauch, Petersilie - eventuell noch Pastinaken
1 Gemüsezwiebel
Tomatenmark
3/4 l Rotwein (habe ich wegen der Kinder nicht genommen) oder 3/4 l Tomatensaft
Brühwürfel
1 Becher saure Sahne
Zubereitung,
am besten am Tag vorher (lässt sich auch gut einfrieren):
Rouladenfleisch waschen und mit Küchenrolle trockentupfen. Senf drauf schmieren, salzen und pfeffern, je Roulade 1 - 2 Scheiben Speck längs drauflegen, Zwiebel- und Gurkenstücke quer drauflegen (sonst lässt es sich nicht rollen), und rollen. Die Enden mit je einer Rouladennadel festspießen, damit die Rolle sich nicht öffnen können.
Das Gemüse in dünne Scheiben schneiden. Das geht prima mit der Brotschneidemaschine, ganz eng eingestellt.
Die Rouladen in heißen Pfannen von allen Seiten scharf anbraten, in einen großen Bräter legen. Den Fonds mit etwas Wasser ablöschen, über die Rouladen gießen. Das Gemüse ebenfalls scharf anbraten, auf die Rouladen geben. Mit Rotwein oder Tomatensaft und/oder Brühe begießen, 1 1/2 bis 2 Stunden auf mittlerer Hitze schmoren (länger ist auch o.k., dann auf kleiner Flamme). Die Rouladen zwischendurch vorsichtig umdrehen und mit der Flüssigkeit begießen, damit sie saftig bleiben.
Dann die Rouladen aus dem Bräter nehmen. Das Gemüse abkühlen lassen, pürieren und die Soße abschmecken.
Jetzt kannst Du, wenn Du willst, die Rouladen und die Soße getrennt einfrieren.
Weiter geht´s vor dem Essen: Soße im Bräter erhitzen, saure Sahne unterrühren, Rouladen in der Soße erwärmen.
Das dauert eine Weile, denn ich bin nicht für die Mikrowelle.
Beilagen: Sauerkraut oder Rotkraut und Serviettenknödel (oder andere Knödel), Kartoffelpüree oder Spätzle.
Ein Dessert gab´s auch. Da habe ich es mir einfach gemacht, nur ein wenig kreativ.
Schnelles Dessert:
Schneebällchen mit Schokotupfen
Ananas aus der Dose gut abtropfen lassen (der Saft wird nicht gebraucht), in kleine Stückchen schneiden und in einer Schüssel mit Vanillepudding mit Schlagsahne vermischen. Kurz vor dem Servieren Mini-Windis unterheben (aber nicht vergessen, sie vorher auftauen) und je 3 - 4 Stück in Dessertschalen anrichten. Schokoraspeln drüber. Fertig. Schmeckt lecker!
Der 1. Feiertag war nochmal ein Familentag, diesmal aber nicht bei uns. Heute haben Micha und ich es uns gemütlich gemacht und waren nachmittags sparzieren am Main. Wir hatten eine Menge Brotreste dabei, aber lange nicht genug, um die vielen hungrigen Schnäbel zu stopfen, die uns erwarteten. Mir war direkt bange, als ich die vielen Schwäne auf mich zukommen sah. Am gierigsten überflielen uns aber die Tauben. Auch Möwen, Krähen und natürlich eine Menge Enten wollten Futter bekommen.
Es werden wohl viele Wildtiere diesen Winter nicht überleben.